Sagen und Geschichten aus und um Stülpe

Die Sage vom Golmschatz

 

Der Schatz vom Golm versinkt

Der Wallfahrer aus Stülpe

 

Sieke als Schatzgräber auf dem Golm

Tief im Golm vergraben liegt ein Goldschatz. Der wird von Geistern und einem feurigen Hund bewacht. Wer es richtig anfängt, der kann den Schatz heben. Das haben schon viele versucht. Aber bis auf den heutigen Tag ist´s noch keinem gelungen, ihn zu bekommen.

Als der Bauer Sieke noch lebte, da hat der auch einmal den Schatz heben wollen, und das ging so zu:

Eines Tages kam zu ihm ein alter blinder Mann. Der erzählte ihm vom Golm und von dem vielen Gold, das darinliegt. Und er sagte, er könne den Schatz heben. Bloß, er brauche einen dazu, der ihm hilft; ob denn das Sieke tun wolle. Sieke sah ihn erst von der Seite an, denn als Schatzgräber hatten sich am Golm schon viele ausgegeben. Das merkte der Blinde. 

„Du glaubst mir wohl nicht, Bauer? Nun, so will ich mir eine andere Hilfe suchen“, und damit wollte er aus dem Haus gehen. Aber das wollte natürlich Sieke auch nicht. Wenn schon der Schatz gegraben wurde, mußte er dabei sein und sein Teil davon haben. So wurden sie sich beide eins. Beim nächsten Neumond und sternenklarer Nacht sollte der Schatz gehoben werden; denn nur dann ließen sich die Geister bannen, wie der Blinde sagte. Aber eine Aufgabe hatte Sieke dabei, die mußte er erfüllen: 

Drei Tage und Nächte mußte er wach bleiben, solange wie das Beschwören der Geister und das Schatzheben dauerte. Ganz zum Schluß sollte er dann noch auf ein Zeichen des Zauberers einen bestimmten Stein holen, der am Golm lag und den ihm der Blinde beschrieben hatte. Doch das war ja ein Leichtes, wie er sagte. Sieke konnte schon gar nicht mehr die Zeit erwarten bis zum Neumond. Immer mußte er daran denken, daß auch die Nacht bloß sternenklar sein möchte. Sie hatten Glück, alles traf zu. Der Blinde konnte beginnen. Sieke mußte alleine in der Stube bleiben. Der Blinde arbeitete draußen und beschwor die Geistermit seinen Sprüchen. Es dauerte auch nicht lange, da hatte er die Geister aus dem Golm hervorgelockt.                      Sie kamen mit Mulden und Schüsseln und trugen das Gold in die Pechhütte. Deutlich hörte Sieke, wie sie es in der Kammer nebenan ausschütteten.  Das ging so zwei Tage und zwei Nächte lang und noch einen dritten Tag.      So sehr sich Sieke über jede neue Schüssel voll Gold freute – was wurde er doch müde dabei. Zuletzt konnte er die Augen kaum noch aufhalten.                     Doch es mußte ja sein, und er zwang sich mit aller Gewalt zum Wachbleiben.

Da rief ihn plötzlich der Zauberer. „Sieke, nun hohl mir den Teufelsstein, daß ich damit die Geister banne. Den Schatz haben wir. Nun müssen wir mit dem Stein noch die Geister vertreiben. Bring aber den rechten“. Sieke hörte schon das wilde Tanzen der Geister. Er sprang auf und lief an den Berg. Aber er mußte um den ganzen Golm herum. Dabei wurde ihm der Weg so lang, und die Beine wurden so lahm, und er war so müde. Mitten im Gehen konnte er sich auf einmal nicht mehr halten – er fiel um und schlief ein.

 Als er aufwachte, war eine ganze Zeit vergangen. Da fiel ihm der Stein wieder ein. Was mochte nun aus dem Schatz geworden sein? 

„Ach was“, dachte er, „der Blinde braucht das nicht zu merken, daß ich geschlafen habe“. Aber den Stein von der anderen Seite des Golm konnte er nun nicht mehr holen. Das war jetzt noch zu weit. „Ich nehme den ersten besten Stein“, dachte Sieke, „der Blinde kann ihn ja doch nicht sehn, obs der richtige ist“. So faßte er den ersten Stein, der da lag und lief schnell damit nach der Pechhütte. Da hatte der Zauberer noch alle Hände voll zu tun, die Geister zu halten. Er griff nach dem Stein, als Sieke heran war – aber da schrie der Alte auf, und die Geister stoben mit einem Zischen und Brausen aus dem Haus. In ihren Mulden und Schüsseln hörte man das Gold klirren und rasseln. „Betrüger, scher dich zum Teufel und schlaf dich aus. Du bist zu nichts zu gebrauchen“, schrie der Blinde Sieke an. 

Und dann wars mit dem Schatzgraben aus. Der Alte verließ noch am selben Tag den Golm. Sieke aber hat weiter Bauer sein müssen und hat nie mehr etwas vom Schatz gesehen und gehört.

 

Quelle: „Sagen des Kreises Jüterbog-Luckenwalde“

                  E. Rühlmann, H. Bühnemann

                   Verlag von Julius Beltz

                  Langensalza-Berlin-Leipzig 

 

Der Schatz vom Golm versinkt

Jetzt sind es fast dreihundert Jahre her, da wollte einer den Schatz im Golm heben, und da derselbe sehr tief liegt, so baute er zu dem Zweck über dem Schatzloche ein starkes Gerüst, das er mit Winden und allem Nötigen versah, um ihn sicher und schnell heraufzubringen. Als das geschehen war  , ging er ans Werk, wozu er nur noch wenige Mithelfer annahm, und fing nun an, seine Beschwörungen zu sprechen. Darauf wurden die Winden gedreht, und man merkte auch bald, daß die Stricke immer straffer und die daran befindliche Last so schwer wurden, das sich die starken Balken des Gerüstes wie weiche Ruten bogen. Da sah es endlich aus, als werde sogleich das ganze Gebälk zusammenbrechen und einer der Begleiter rief in seiner Angst: "Herr, das Gerüst bricht !" Aber im selben Augenblick ist der Schatz mit großem Krachen in die Tiefe hinabgesunken. Der Meister und Schatzgräber sagte darauf erboßt, daß jetzt erst in 300 Jahren wieder einer den Schatz heben könne, und zwar müsse es einer sein, der bucklig geboren ist.

 

Quelle: „Sagen des Kreises Jüterbog-Luckenwalde“

                  E. Rühlmann, H. Bühnemann

                   Verlag von Julius Beltz

                  Langensalza-Berlin-Leipzig 

Der Wallfahrer aus Stülpe

Auf  dem Golm stand früher eine Marienkapelle, die weit und breit berühmt war. Viele Leute gingen dahin und beteten, damit sie ihre Sünden los wurden. So wurde der Golm ein bekannter Wallfahrtsort. Nun lebte einst in Stülpe ein frommer Bauer, der wollte ganz was Besonderes tun, damit ihm seine Sünden vergeben wurden. Aber ihm war es zu gering, zur Kapelle auf den Golm zu wallfahren. Sie lag ihm gar zu dicht vor der Tür und schien ihm nicht berühmt genug zu sein. So machte er sich auf die Reise nach St. Jacob in Spanien. Viele Monate wanderte er, und als er endlich dort war, war er stolz, daß er soviel getan hatte zur Vergebung seiner Sünden. Denn einen heiligeren Ort als St. Jacob gab es doch in der ganzen Welt nicht, wie er meinte. Stolz erzählte er einem Mönch von seiner weiten Wallfahrt, und dann fragte er ihn, ob es wohl irgendwo noch einen heiligeren Ort als St. Jacob gäbe. Da meinte der Mönch: "Ja, nur einen noch heiligeren Wallfahrtsort kenne ich, das ist der Golm auf dem Fläming mit seiner Marienkapelle. Wenn du da noch hingehst, dann hast du das Beste zur Vergebung deiner Sünden getan." Da schlug sich der Bauer an den Kopf und rief: " Ich Esel, was suche ich dann hier. Ich habe doch den Golm vor der Tür!"

 

Quelle: „Sagen des Kreises Jüterbog-Luckenwalde“

                  E. Rühlmann, H. Bühnemann

                   Verlag von Julius Beltz

                  Langensalza-Berlin-Leipzig 

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